Die europäischen Atomkraftwerke werden alt

44%

der Reaktoren in Europa sind älter als 30 Jahre.

Im März 2014, drei Jahre nach Beginn der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima, sind die 25 ältesten Reaktoren in Europa über 35 Jahre am Netz – obwohl bekannt ist, dass Atomreaktoren mit zunehmendem Alter immer unsicherer werden. Angesichts einer durchschnittlichen Betriebsdauer von aktuell 29 Jahren steht für die europäischen Reaktoren eigentlich nun reihenweise die Stilllegung an.

Die Reaktoren werden nicht – wie geplant – stillgelegt, im Gegenteil: ihre Laufzeit wird verlängert.

27%

der europäischen Reaktoren sollten in den nächsten fünf Jahren stillgelegt werden.

Drei Reaktoren haben ihre ursprüngliche Auslegungslebensdauer bereits überschritten. Manche Länder reagieren angesichts der Überalterung der Anlagen mit Laufzeitverlängerungen, ungeachtet aller Erkenntnisse über Risiken alternder Reaktoren und damit die Gefahren für die globale Sicherheit.

Zudem wird die Leistung der Reaktoren erhöht.

55%

der Reaktoren werden über ihrer ursprünglich vorgesehenen Leistung betrieben.

Die Leistungserhöhung der Reaktoren gegenüber ihrer ursprünglichen Auslegung stellt ein zusätzliches Sicherheitsrisiko dar. Reaktoren mit Laufzeitverlängerung haben oft gleichzeitig eine Leistungserhöhung erfahren. Diese Leistungserhöhung geschieht typischerweise entweder über den Einsatz stärker angereicherten Urans – oder über einen höheren Anteil an frischem Brennstoff. Dadurch bekommt der Reaktor eine höhere thermische Leistung – Dampf und Wasserdruck steigen, sämtliche Komponenten (wie Leitungen, Pumpen, Ventile) müssen härteren Anforderungen genügen.

Naturgemäß gehen mit dem mechanischen Alterungsprozess zunehmende Ausfälle einher.

+ 50 %

«signifikante Ereignisse» zwischen 2000 und 2006, versus + 11 Prozent zwischen 1986 und 2000.

Mit der Alterung der Anlagen steigt die Anzahl der Stör- und Unfälle. Die sogenannte Badewannenkurve zeigt den typischen Verlauf der Lebensdauer eines Reaktors: Bei Betriebsbeginn treten viele unerwartete Ausfälle ein, die nach einer gewissen Zeit aber aufgefangen werden. Dann beginnt eine stabilere Betriebsphase mit konstanten und kontrollierten Ausfallraten. Durch die Alterung der Anlage schlägt die Kurve jedoch schon bald um: Die Ausfallrate steigt erneut und nimmt einen exponentiellen Verlauf.

Die Risiken hängen mit der physischen Alterung der Anlagen zusammen.

53%

der Ausfälle betreffen Komponenten, die praktisch nicht ersetzt werden können.

Die Anfälligkeit für Ausfälle im Zusammenhang mit Alterungseffekten ist bei mechanischen Komponenten am größten. Gleichzeitig ist der Ersatz dieser Komponenten am schwierigsten. Insbesondere kann der Reaktordruckbehälter, der den höchsten Belastungen ausgesetzt ist, nicht ersetzt werden. Entsteht an einem alten Reaktordruckbehälter eine fehlerhafte Stelle, so kann diese ab einer bestimmten Größe schnell zu einem wanddurchdringenden Riss werden und die Funktionsfähigkeit des Reaktordruckbehälters gefährden.

Auch die Alterung des Personals birgt Risiken.

63%

der leitenden Angestellten im Atombereich kommen in den kommenden fünf Jahren ins Rentenalter.

Das Personal eines Atomkraftwerks wird etwa fünf Jahre vor Inbetriebnahme angestellt und weist eine sehr hohe Betriebstreue auf, sprich: Die Fluktuation ist sehr gering. Daher arbeiten die meisten Beschäftigten ihr ganzes Berufsleben im selben AKW. Da 80 Prozent der weltweit 437 laufenden Atomreaktoren älter als 15 Jahre sind, verfügen die dort Beschäftigten mittlerweile durchschnittlich über 20 Jahre Berufserfahrung, und: die jüngeren sind in den 40ern). Wir stehen somit vor einer breiten Pensionierungswelle, während praktisch keine Neuanstellungen stattfinden und Zeitarbeit zunimmt. Das technische Wissen, das seit den ersten Stunden der Anlagen aufgebaut wurde, sowie Kenntnisse von Auslegung und Konzeption werden nicht weitergegeben.

Nachrüstungen sind teuer und unnütz bezüglich Sicherheit.

420$ /kW

So viel kostet durchschnittlich eine Laufzeitverlängerung.

Nachrüstungen (falls überhaupt möglich) ermöglichen bestenfalls die Wiederherstellung des Sicherheitsniveaus, das beim Bau der Anlage vorgesehen war. Neue Sicherheitsnormen lassen sich damit nicht erreichen. Lehren aus Katastrophen wie Fukushima – sowie neue wissenschaftliche und technologische Erkenntnisse – sind durch Nachrüstungen nicht integrierbar.

Externe Faktoren verstärken bestehende Risiken.

50%

der AKW mit Überschwemmungs- oder Erdbebenrisiko sind über 30 Jahre alt. 100 Prozent der Anlagen sind nicht gegen Flugzeugabstürze geschützt.

Die Arbeiten, die nach Fukushima mit den Stresstests eingeleitet wurden, sind weit davon entfernt, das «Undenkbare zu denken». Unsere Atomanlagen sind gegenüber externen Risiken natürlichen oder menschlichen Ursprungs sehr anfällig. Kein bestehendes AKW hält dem Absturz eines grossen Passagierflugzeugs stand. Anlagenkonzepte aus der Zeit vor dem 11. September 2001 ziehen diese Möglichkeit noch nicht einmal in Betracht.

Der Bau neuer Anlagen ist keine Lösung.

2 Mrd €:

So hoch sind die Mehrkosten für den EPR, wie im Dezember 2012 mitgeteilt wurde.

Die Gesamtkosten für den EPR werden aktuell auf etwa 8,5 Milliarden Euro geschätzt, inkl. Teuerung. Grösstenteils sind die Mehrkosten auf Verzögerungen beim Bau zurückzuführen. Die geschätzten Kosten für diesen «Reaktor der dritten Generation» hatten sich im letzten Jahr bereits von 3.3 auf 6 Milliarden verdoppelt.

Atomabfälle würden sich anhäufen.

+104%

radioaktive Abfälle bei einer Laufzeitverlängerung der bestehenden AKW bis 2030.

5300 Kubikmeter hoch radioaktive Abfälle aus dem Reaktorkern, die nicht entsorgt werden können, würden über Tausende Jahre eine Gefahr bedeuten.

Trotz der Dringlichkeit treffen die Staaten Europas keine klaren Entscheidungen.

Nur 2

Länder betreiben eine aktive Politik zur Stilllegung ihrer Atomreaktoren.

Für eine effiziente und clevere Energierevolution

2050

Die Einsparungen bis 2050 durch Erneuerbare Energien könnten doppelt so hoch sein, wie die für sie nötigen Investitionen - wenn wir jetzt mit den Investitionen beginnen.

Die Energiewende nach der «Energy [R]evolution» von Greenpeace / EREC würde nach diesen Berechnungen bis 2050 jährlich 99 Milliarden $ kosten. Erneuerbare Energien verursachen jedoch keine Brennstoffkosten und würden daher Einsparungen von 75 Milliarden $ jährlich ermöglichen. Unter Berücksichtigung der Entwicklung der Energiekosten wären die Investitionen vollständig kompensiert.

An energy revolution economically efficient and smart2

2

time less expensive than necessary investments is the savings made in 2050 thanks to renewable energies if we start now

In average, the transition planned by the Energy [R]evolution scenario would cost each year, until 2050, $99 Bn. But because renewable energies do not cost anything in terms of fuel or raw material, the savings would reach $75 Bn per year. If we consider the evolution of the cost of energy, then the investment could be totally covered.

Beluga

„Beluga II“ informiert die Bürger

Im Frühjahr 2014 bereist das Greenpeace-Schiff „Beluga II“ die AKW-Regionen an Rhein und Mosel. Ihr Ziel: Die Menschen in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Luxemburg über die Risiken der alternden Atomkraftwerke zu informieren und zu mobilisieren.

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Basel

Beluga Tour : Bâle / Basel

Hier gibts mehr Infos über die Open-boat-days in Basel!

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Strasbourg – Kehl

Beluga Tour : Strasbourg / Kehl

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Beluga Tour : Breisach / Vieux -Brisach

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Metz

Beluga Tour : Metz

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Beluga Tour : Trier / Trêves

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Düsseldorf

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Mainz

Beluga Tour : Mayence

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Zusammenfassung

Fast drei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima haben die 25 ältesten Atomreaktoren in Europa allesamt 35 oder mehr Betriebsjahre hinter sich. Mehr als zwei Drittel der US-amerikanischen Atomreaktoren haben Lizenzverlängerungen erhalten, die ihnen 60 Betriebsjahre zugestehen – weit mehr als die Auslegungslebensdauer.

Wir stehen am Beginn einer neuen Ära des atomaren Risikos.

 

 

Credits

© Greenpeace – 2014

Creation & development
Datagif

Photos credits
Tihange – Alain Vincent/Greenpeace

Aktiv werden!

Als BürgerIn von Europa bin ich besorgt über die neue Ära atomarer Risiken durch die alternden Reaktoren.

Ich bin nicht bereit, das mir aufgezwungene Risiko zu tragen. Ich fordere einen grundlegenden politischen Wandel.

Ich fordere von den europäischen Staatsoberhäuptern:

- den Ausstieg aus der Atomenergie, die Förderung und den Ausbau Erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz. Dies ist der einzige Weg, den Energiebedarf zu sichern und dem Klimawandel zu begegnen – ohne Menschen zu gefährden.

- die sofortige Stilllegung aller Reaktoren, deren ursprüngliche Auslegungslebensdauer überschritten ist. Ich rufe die Aufsichtsbehörden auf, keine Laufzeitverlängerungen zu gewähren.

- volle Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit an allen Fragen und Entscheidungsprozessen zur Atomenergie.

- die Sicherung völliger Unabhängigkeit der Atomaufsichtsbehörden.

Alternde Atomreaktoren bedeuten für die Bevölkerung ein steigendes Risiko, das ich nicht bereit bin, mitzutragen.

Konkret stehen in folgenden Ländern dringende Entscheidungen an:

- In Frankreich muss das künftige Energiegesetz die Schließung möglichst vieler Atomreaktoren in kürzester Frist festlegen.

Bitte in den Text klicken um zur Petition zu gelangen!

Aktiv werden

Ich fordere von den europäischen Staatsoberhäuptern:

- den Ausstieg aus der Atomenergie, die Förderung und den Ausbau Erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz. Dies ist der einzige Weg, den Energiebedarf zu sichern und dem Klimawandel zu begegnen – ohne Menschen zu gefährden.

- die sofortige Stilllegung aller Reaktoren, deren ursprüngliche Auslegungslebensdauer überschritten ist. Ich rufe die Aufsichtsbehörden auf, keine Laufzeitverlängerungen zu gewähren.

- volle Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit an allen Fragen und Entscheidungsprozessen zur Atomenergie.

- die Sicherung völliger Unabhängigkeit der Atomaufsichtsbehörden.

Alternde Atomreaktoren bedeuten für die Bevölkerung ein steigendes Risiko, das ich nicht bereit bin, mitzutragen.

 

Tihange NPP Alain Vincent/Greenpeace
Graveline NPPGreenpeace
Muhleberg NPPGreenpeace
Tihange NPP Greenpeace

Seit Jahrzehnten leben die Menschen in Europa mit gefährlichen Atomkraftwerken (AKW) in ihrer Nähe, die meist ohne Beteiligung der Bevölkerung an den Entscheidungsprozessen gebaut wurden. Heute sind diese AKW alt, teils uralt. Sie waren auf 30 Jahre ausgelegt, viele sind heute deutlich älter. Manche Länder oder Konzerne möchten die Laufzeiten auf 40, gar 60 Jahre erhöhen. Diese Laufzeitverlängerungen bedeuten eine neue Ära atomarer Risiken.

Politiker und Staaten haben entschieden, Ihnen diese Risiken zuzumuten – aber das müssen Sie nicht hinnehmen!

Zu den Infos! Aktiv werden!

1 — Alterung

2 — Risiken

3 — Danach